Wir verstehen uns als solidarische Organisierung von (potentiell) Betroffenen und bieten derzeit gemeinsame Beratung und Begleitung zum Amt an.
Außerdem sind wir ständig auf der Suche nach neuen, kämpferischen, motivierten oder einfach wütenden Menschen zur weiteren Zusammenarbeit.

Aktuell errecht man uns:
- via e-Mail: ksk-jena[at]freenet.de. Am liebsten für Terminvereinbarungen, weil Sozialdaten auch vor freenet geschützt werden sollten, oder
- direkt zu unseren Beratungszeiten jeden Mittwoch von 16:00-18:00 Uhr im MobB e.V. (Unterm Markt 2, Jena).

Bei E-Mails freuen wir uns sehr, wenn ihr dafür diesen unseren neuen GnuPG-Schlüssel nutzt:
PubKey
Sein Fingerprint lautet:
8812 AE3A DA23 030A 4DDB 9FA9 CDE0 1A44 FBB0 41E1

Wer wir sind:

Die Welt,‭ ‬in der wir leben

Mit der Agenda‭ ‬2010‭ ‬und den Hartz-Reformen hat die Bundesregierung die endgültige Abkehr vom Sozialstaatsprinzip vollzogen.‭ ‬Von ihr wurden und werden hart erkämpfte soziale Rechte auf allen Ebenen zurückgedrängt.‭ Ergebnis ist eine absurde Situation:‭ ‬In einer Gesellschaft,‭ ‬die einerseits immer reicher wird,‭ ‬andererseits aber immer weniger Arbeitskräfte zur Herstellung dieses Reichtums benötigt,‭ ‬wird das Problem der Arbeitslosigkeit auf die Einzelne verlagert.‭ ‬Zum individuellen Problem wird die Arbeitslosigkeit allerdings nicht deshalb,‭ ‬weil die Menschen sich nicht anderweitig zu beschäftigen wüssten,‭ ‬sondern weil die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Reichtum fast ausschließlich über den Zugang zu Lohnarbeit organisiert ist.‭ ‬Wem dieser Zugang verwehrt bleibt,‭ ‬ist daher auch vom öffentlichen Leben vielfach ausgeschlossen.‭

Die Einführung von Hartz IV bedeutet dabei zum einen,‭ ‬dass Arbeitslosigkeit als individuelles Fehlverhalten bestraft wird,‭ ‬indem die Mittel zum Leben auf ein Minimum reduziert werden und an unerfüllbare und/‭ ‬oder sinnlose Leistungsanforderungen geknüpft werden.‭ ‬Zum anderen erhöht sich der Druck auf die Löhne der noch Arbeitenden.‭ ‬Die Drohung der sozialen Schlechterstellung durch Hartz IV ist für diese jederzeit präsent.‭ ‬Dass Menschen in Deutschland überhaupt von‭ ‬351‭ ‬Euro im Monat überleben können,‭ ‬funktioniert allerdings nur deshalb,‭ ‬weil der Großteil der alltäglichen Konsumgüter in der kapitalistischen Peripherie produziert werden,‭ ‬bspw.‭ ‬in Asien oder Osteuropa.‭ ‬Dort sind die Arbeitskräfte billiger und die Menschen werden unter nochmals schlechteren Arbeitsbedingungen ausgebeutet.‭ ‬Die Masse der auf Lohnarbeit Angewiesenen werden so gegeneinander ausgespielt,‭ ‬wovon letztlich nur die Besitzenden profitieren.

Hinzu kommt,‭ ‬dass ALG2-Empfänger massiven Kontrollen und Schikanen ausgesetzt sind.‭ ‬Die dadurch erzeugten Ängste und Verunsicherungen werden von den Arbeitsämtern und Jenarbeit ausgenutzt,‭ ‬um die ohnehin schon spärlichen Leistungen weiter zu kürzen.‭ ‬Dies beginnt bei der fehlenden Aufklärung über die jeweiligen Rechtsansprüche seitens der Sachbearbeiter und endet bei den Hausbesuchen.‭ ‬Dabei dringen zwei‭ “‬Ermittler‭” ‬von jenarbeit in die Privatsphäre von Personen ein,‭ ‬um‭ „‬Beweise‭“ ‬für einen angeblichen Leistungsmissbrauch zu sammeln.‭ ‬Allein deren bloße Existenz erzeugt psychischen Druck und wirkt disziplinierend.‭

Die Welt in der wir leben…‭ ‬verändern

Eine rechtliche Gegenwehr gegen die willkürlichen Handlungen einzelner Sachbearbeiter ist aufgrund der hohen individuellen und finanziellen Belastungen für die Einzelne kaum möglich.‭ ‬Deshalb können wir uns nur gemeinsam und solidarisch gegen diese Zumutungen vom Amt zur Wehr setzen.‭ ‬Dabei gilt es zunächst,‭ ‬unsere Rechte durchzusetzen.‭ ‬Von oben wird uns dabei nichts geschenkt.‭ ‬Wir müssen uns nehmen und erkämpfen,‭ ‬was uns zusteht.
Doch das Ausreizen rechtlicher Spielräume löst das Problem nicht.‭ ‬Vielmehr muss es grundsätzlich angegangen werden.‭ ‬Gegenüber Jenarbeit und ähnlichen Vereinigungen gilt daher klar zu sagen:‭ ‬Das Problem sind nicht die einzelnen Arbeitslosen,‭ ‬sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse,‭ ‬in denen Armut und soziale Ausgrenzung nicht gelöst werden können.‭ ‬Unser Ziel ist daher die grundlegende Veränderung der bestehenden Verhältnisse hin zu einem solidarischen Miteinander,‭ ‬damit ein Leben in Würde für alle auch tatsächlich Wirklichkeit werden kann.

‭[‬KSK‭]

Das Kommando Sozialkräfte‭ [‬KSK‭] ‬hat sich gegründet,‭ ‬um politische Gegenwehr zu organisieren.‭ ‬Wir wollen gemeinsame Kämpfe gegen das repressive Vorgehen des Amtes/‭ ‬Staates führen‭ – ‬zusammen mit Arbeitsloseninitiativen,‭ ‬Gewerkschaften und anderen politischen Gruppen‭; ‬aber vor allem mit anderen Betroffenen.‭
Konkret bedeutet dies,‭ ‬dass wir Arbeitslose in ihren Auseinandersetzungen mit Jenarbeit zunächst mit ALGII-Beratung unterstützen.‭ ‬Unser erster Ansatzpunkt dabei ist,‭ ‬die Praxis der Hausbesuche einzuschränken.

In die Offensive‭!

Durch die gegenwärtige Krise hat sich das allgemeine Glücksversprechen des kapitalistischen Gesellschaftsmodell selbst blamiert.‭ ‬Ein gutes Leben für alle war und ist darin unmöglich.‭ ‬Jede ALG2-Empfängerin weiß,‭ ‬dass nicht erst der krisenhafte Kapitalismus das Problem ist,‭ ‬sondern bereits der funktionierende.‭ ‬In der Krise verschärfen sich aber die sozialen Gegensätze weiter.‭ ‬Die Kosten der Krise werden auf die Allgemeinheit abgewälzt.‭ ‬Und d.h.,‭ ‬die sozial Schwachen trifft es am schlimmsten.‭ ‬Es ist zu erwarten,‭ ‬dass durch die Krise noch viel mehr Menschen von Arbeitslosigkeit und Hartz IV bedroht sind.‭ ‬Unsere Antwort darauf muss lauten:

Wir zahlen nicht für eure Krise‭!
Und deshalb gilt es weiterhin und gerade jetzt zu fordern:
HartzIV muss weg‭!
Und stattdessen eine wirkliche Grundsicherung ohne Repression und Gängelung.
[KSK]-Jena, April 2009