Archiv der Kategorie 'SGB II Jena'

SGB II in SARS-Cov-2/ Covid-19-Zeiten

Wir gehen davon aus, dass euch wie uns der Nutzen von Händewaschen klar ist – und Virologie ist ja auch nicht unser Thema – daher gibt’s heute von uns, was man von uns erwarten kann: Infos über SGB II-Zeug.
Gleich vorweg: Wenn der verkürzte Leitfaden nicht genügt, meldet euch bei uns.

1. Wenn das Geld nicht reicht: SGB II a.k.a. „Hartz IV“

… ist dafür da, das minimale Überleben von Leuten zu sichern, die gerade zu wenig Einkommen haben, um Miete und Lebensmittel zu bezahlen.
Entsprechend kann das ein jeder beantragen (und sollte es zeitnah erhalten, nehmt mal 2 Wochen als Richtschnur), auf den das zutrifft, ganz egal, wie die Situation entstand. Es können Aufträge weggefallen sein, die Chefin kann einfach nicht zahlen, vielleicht fällt dein Minijob weg oder dein Arbeitslosengeld läuft aus oder dein sogenanntes Kurzarbeitergeld reicht schlicht für nichts.
Völlig egal.

2. Erster Antrag

Für den Antrag ist im Prinzip nicht mehr nötig, als dass du der Stadt Jena (als Trägerin des Jobcenters) im Laufe des 1. Monats der Geldnot mitteilt, dass du Geld brauchst und wofür, also den sogenannten Regelsatz, der Lebensmittel, Strom u.s.w. abdecken soll, und Miete (und wie hoch die ist). Der Anspruch, wann auch immer darüber entschieden wird, gilt dann rückwirkend zum 1. des Monats, in dem du das erklärt hast, einschließlich Miete und eventuellen Zusätzen.

Hinzu kommt nämlich im Einzelfall ein kleines Plus (Amtsdeutsch: Mehrbedarfe) für Alleinerziehende, Schwangere oder Leute, die krankheitsbedingt mehr Geld für Lebensmittel ausgeben müssen. Das musst du zusätzlich angeben.
Außerdem, wenig überraschend, musst du erklären, wie du das Geld willst (bar oder via Überweisung, in dem Fall dann auch eure Kontoverbindung) und, klar, eine Kontaktinformation, also deine Adresse.

Normalerweise wird auch geprüft, ob du nicht zu viel Vermögen herumliegen hast. Das geschieht für Anträge, die bis Ende Juni 2020 gestellt werden, für das erste halbe Jahr Bewilligungszeitraum nicht.

Das Jobcenter jenarbeit (für Leute, die in Jena leben) hat außerdem noch Listen mit Zeugs, das sie gern hätten und wie sie das gern hätten, im Internet veröffentlicht. Da könnte ihr euch z.B. das Antragsformblatt ausdrucken.
Ist aber nicht so wichtig. Wenn sie noch was von dir wollen, schreiben sie dir das schon. Wichtiger ist, dass du ihnen rechtzeitig Bescheid gibst, dass du überhaupt Geld brauchst.

4. Weiterbewilligungsantrag

Für Bewilligungszeiträume, die „vom 31. März 2020 bis vor dem 31. August 2020“ (§ 67 Abs. 5 SGB II) enden, musst du keinen neuen Weiterbewilligungsantrag stellen, der Zeitraum verlängert sich automatisch bis einschließlich August 2020.
Das heißt, du solltest etwa Ende Juni/ Anfang Juli dem Jobcenter erklären, dass du auch danach Geld brauchst, aber derzeit ist das kein Thema.

5. Postweg

Immer noch gelten Kontaktsperren und sind öffentliche Einrichtungen geschlossen. Das gilt auch für jenarbeit.
Auf der Internetseite jenarbeits wird empfohlen, Emails oder Briefe zu schreiben oder Faxe zu versenden. Abgesehen vom Fax sind das alles leider eher unsichere Wege. In der Vergangenheit sind da schon dumme Sachen passiert und Dinge weggekommen.
Will ja niemand.
Wenn du lieber ganz sicher sein willst, dass deine Unterlagen und Anträge auch ankommen: Nutze den Fristenbriefkasten der Stadt Jena. Der steht Am Anger 15 in Jena, hinter dem neueren Stadtverwaltungsgebäude am Lutherplatz.

Außerdem erzeugt der Zauberspruch „Ich bitte um eine Eingangsbestätigung“, irgendwo auf den Unterlagen oder im Anschreiben notiert, dazu, dass ihr ein abheftbares Feedback bekommt.

6. Zuschlag „digitales Lernen“ für Kinder

Die Bundesregierung/ GroKo hat entschieden, dass Schulkinder in armen Familien einen Zuschuss benötigen, um beim „digitalen Lernen“ nicht abgehängt zu werden, und dass dafür 150 Euro genügen.
Das sollte niemanden wundern, immerhin sind das die Leute, die für Kinder auch keinen eigenen Lernort in der Wohnung vorsehen und 23 bis 75 Cent im Monat für Bildung für ausreichend halten.
Das Geld soll über die Schulen ausgeschüttet werden und ist mit etwas Glück rechtzeitig da, wenn am 18. Mai in Thüringen die Abiturprüfungen beginnen.

Ja, man könnte sich aufregen, aber ehrlicherweise: Dann hat man die letzten 30 Jahre hier verpennt.

Vier Gründe gegen Eingliederungsvereinbarungen (EGV)

Ein jeder Betroffene von Leistungen nach dem SGB II1 kennt sie, die Meldeaufforderung2 vom Amt, um eine neue Eingleiderungsvereinbarung abzuschließen.
Früher konnte das ein Stück mit Fallstricken werden, weil eine Weigerung, so etwas abzuschließen (real: man will noch verhandeln), leicht zu Sanktionen führen konnte (gegen die man vorgehen kann, was aber erst einmal Aufwand bedeutet).
Mittlerweile ist das nicht mehr so. Im § 15 (3) SGB II (Eingliederungsvereinbarung) steht:
„Soweit eine Vereinbarung nach Absatz 2 [die EGV] nicht zustande kommt, sollen die Regelungen durch Verwaltungsakt getroffen werden.“
Das bedeutet, man kann auf die Unterschrift verzichten – ohne Sanktionen befürchten zu müssen – und sollte es auch! (mehr…)

Umzug im SGBII-Leistungsbezug

Wir zogen um (vgl. der vorherige Post). Zusammen mit den Osterfeiertagsurlaub des MobB entfiel unsere Beratung also ganze zwei Wochen. Wir hatten also Zeit. Diese steckten wir in unser

UmzugsSpecial!

Da in der Beratung immer mal die Frage aufkam, wie man im SGB II-Bezug umzieht, welche Wege zu bestreiten sind, nehmen wir unseren Umzug zum Anlass, das mal grundsätzlich zusammenzufassen. Also: (mehr…)

Keine Beratung! Nirgendwo!

Na gut, so schlimm sieht es nicht aus. Der MobB Jena, der Verein, der uns netterweise die Räume für unsere Beratung zur Verfügung stellt und dessen Beratungsangebot wir ebenso netterweise dafür mit unseren Leuten am Mittwoch erweitern, zieht um. (Fast) Jede kennt die damit verbundenen Aufwände, weshalb für zwei Wochen geschlossen ist. Heißt:
Unsere Beratung findet das nächste Mal am 4. April 2018 statt, also in etwa zwei Wochen, dann auch in den neuen Räumen in der Saalbahnhofstraße 15a in Jena. Das ist eine Art Neueröffnung, ihr dürft also gern eine Packung Kaffee oder ein Plakat als Eröffnungsgeschenk mitbringen1.

Hinfinden:
Wenn du vor dem Eingang zum MobB e.V. stehst, unten auf der Straße und Blick zur Eingangstür:

  • wende dich nach links und folge der Straße etwa 130m bis zum Löbdergraben
  • wende dich nach links und folge dem Weg für 530m (dabei kommst du am Uni-Hauptgebäude vorbei, querst die B7, gehst neben dem Schwarzen Bären entlang)
  • dort wendest du dich nach rechts und folgst dem Weg etwa 40m

Das Gebäude erkennt man an anderthalb Etagen hohen Rolltoren. Dort geht ihr ums Gebäude herum (durch ein beachtlich schweres, aber geöffnetes Eisentor) auf den Hof – und die Treppe hinauf. Ja, leider wieder nicht befahrbar. Sonderlich glücklich sind wir damit nicht.

Natürlich kann man auch anders hinfinden. Z.B.: Sucht eines dieser „Polizei“-Schilder, folgt der Ausschilderung bis zum Endpunkt. Dreht euch von der PI weg. Wenn ihr sie im Rücken habt2 – 180° von eurer Blickrichtung aus gesehen – seht ihr gegenüber die Einfahrt zur Feuerwehrleitstelle. Da rechts das Gebäude.
Oder: Stellt euch vor das Haus der Rhenania Jena3 (Saalbahnhofstraße 19), wendet euch nach rechts und folgt dem Weg für 50m, geht nach links und noch einmal ca. 20m weiter.
Und der MobB hat eine Karte erstellt, auf der man die Lage erkennt und sich noch andere Wege überlegen kann.

  1. Achtung, Humor! Die Beratung ist unbezahlbar, pardon, kostenfrei, aber nicht umsonst. [zurück]
  2. bestimmte Leute sollte man nicht im Rücken haben, aber einmal kann man das schon mal machen [zurück]
  3. Offizieller Titel: Landsmannschaft Rhenania zu Jena und Marburg, Mitglied im Jenaer Waffenring, einer Verbindung von schlagenden Verbindungen. Soweit zur guten Nachbarschaft. [zurück]

Crossing Beschlüsse?

Cross-Posting heißt das nahezu gleichzeitige Versenden verschiedener Beiträge verschiedener Nutzer in einem Foren-Thread.
Einen etwas ähnlichen Fall haben wir derzeit in der Stadt Jena mit den Kosten der Unterkunft. Und der geht so:
Wie an verschiedenen Orten verkündet (etwa hier http://www.mobb-jena.de/ und rumklicken und da https://www.jena.de/fm/1727/2018%20KdU-Richtlinie.328645.pdf, Achtung, PDF, steht aber auch hier im Text), erkennt die Stadt Jena nun dezent erhöhte Kosten der Unterkunft an, weil die kalten Betriebskosten (z.B. Umlage für Grundsteuer und Versicherung auf die Mieterin) höher sind als im vorherigen Konzept berechnet.
In der MobBil (erster Link) heißt es: „Zum 1. Januar 2018 werden die Richtwerte für die Kosten der Unterkunft in der Stadt Jena geringfügig erhöht. Für Alleinstehende sind es gerade einmal 3,45€, für 2 Personen 14,20€.“
Das sind dann (2ter Link) 315,45 Euro für Alleinstehende (auch: einzelne Bewohner in WGs) und 419,40 Euro für Zweierhaushalte. Das errechnet sich, indem der regionale Betriebskostenspiegel zur Berechnung herangezogen wird, nämlich mit 1,44 € / qm. Heißt es jedenfalls. Denn das Verfahren, in dem es darum ging, stammt aus dem Jahr 2015 (Az: S 36 AS 20/16 = Klage Anfang 2016 eingelegt heißt, es geht spätestens um 2015) – und bereits 2013 lagen die Nebenkosten laut Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes für Jena bei rund 1,50 Euro/qm (ohne Heizung und Warmwasser, das interessiert uns ja nicht, Link auf die Grafik).
Die nun verhandelte Summe ist weniger als Inflationsausgleich (nämlich: 0,94 Prozent = 0,07 Euro/qm bzw. 1,17 Euro/ qm statt ehedem rund 1,10 Euro/ qm). Na gut, damit war zu rechnen. Aber damit hat die Geschichte noch nicht ihr Ende gefunden. (mehr…)

Änderung der Beratungszeiten

Ab Oktober 2017 ändern sich unsere mittwöchlichen Beratungszeiten. Noch drei mal sind wir im MobB Jena 16:00-18:00 Uhr erreichbar. Danach verschiebt sich alles um eine halbe Stunde nach vorn, also auf 15.:30-17:30 Uhr, Der Mittwoch als Beratungstag bleibt bestehen.

Neues aus dem Alltag

Wer unseren geheimen, nur nach eingehender Prüfung der Adressaten versandten Rundbrief erhält, weiß es schon:

Das KSK-Jena berät

(wieder).
Jede Woche besprechen wir mit Interessierten den Umgang mit v.a. SGB II-Behörden, sehen und also Bescheide an und diskutieren mögliche Rechtswege. Manchmal machen wir Ausflüge ins Zivilrecht, manchmal schreiben wir Anwälten.
Unser Hauptgebiet ist und bleibt aber: Aufklärung und Solidarität von und mit SGB II-Betroffenen.
Diese und andere Kontaktmöglichkeiten findet ihr im Bereich [KSK]-Jena.

Das Leid mit den Formalia

Mit der Reaktivierung unserer Arbeit, von der online aber auch gar nichts zu sehen war, ging eine Überarbeitung unserer Materialseite einher. Einigen waren die unkonventionellen Vorschläge für Widersprüche auf Tapete und Blumenservietten denn doch zu unkonventionell.
Die Vorlagen haben nun also einen offizielleren Touch. Selbstverständlich sind der Kreativität bei der Gestaltung aber auch weiterhin keine Grenzen gesetzt.

Wir danken für die Anregung. Die Standard“widerstands“möglichkeiten für den Umgang mit dem Amt (Widerspruch, Untätigkeitsklage) werden alsbald auch um die selteneren, nichtsdestotrotz notwendigen Formen Klage, Eilantrag und Umgang mit Hausbesuchen erweitert.

Jena tut’s nicht

Flensburg tut es, Freiburg auch. Die Kommunen übernehmen auf Antrag die Kosten für Hormonpräperate, umgangssprachlich Pille genannt, für Alg II-Betroffene zu Verhütungszwecken. Die Kassen übernehmen die Kosten bekanntlich nur bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, danach muss man diese aus eigener Tasche bestreiten.
Berlin geht sogar noch einen Schritt weiter. Dort hat man erkannt, dass auch Männer ihren Beitrag zur Schwangerschaftsverhütung beitragen können, übernimmt auch Kosten für Kondome und tut damit auch etwas zur Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten.
Makaber an der Sache ist der Rest der Republik: Dort müssen Frauen wie Männer im Alg II-Bezug die Kosten selbständig tragen und reduzieren damit den Betrag, der ihnen ansonsten im Monat zum Leben zur Verfügung steht, um 10 Euro bis Hungern, wenn man sich die Palette an sinnvollen Verhütungsmethoden mal genauer ansieht.
Für einen eventuellen Schwangerschaftsabbruch hingegen kommen über Umwegen die Länder auf, denn die Kosten trägt zwar die Krankenkasse, kann sich den Betrag nach aktueller Gesetzeslage jedoch aus dem Landeshaushalt wiederholen. Die Rechnung ist denkbar einfach: Um Kosten des Bundes (Alg II) zu sparen, gibt es keinen Leistungsanspruch auf Verhütungsmittel, den Lastenausgleich für die Krankenkassen zahlen die Länder.
Recht unbeachtet von Haushaltsfragen drängen diese Regelungen Frauen in die Kriminalität oder Unmündigkeit und nehmen gesundheitliche Folgen für sie zumindest billigend in Kauf.
Die Frauen, die sich noch an eine gänzlich kostenfreie hormonelle Schwangerschaftsverhütung und völlig legale Schwangerschaftsabbrüche erinnern können, dürften davon aus physiologischen Gründen wohl bald nicht mehr betroffen sein.

Zuletzt: Natürlich, die antragsweise Kostenübernahme ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Wer will schon dem schmierigen Sachbearbeiter solch einen Antrag über den Tisch schieben, wenn der vor einem Monat erst von Bedarfsgemeinschaft gefaselt hat, weil man in einer WG lebt. Oder so. Aber es ist zumindest eine Maßnahme zur Vorsorge, deren Möglichkeit man zumindest haben sollte, solange ansonsten keine ernsthaften Verbesserungen in Sicht sind.

Antrag noch diesen Monat schreiben

Noch diesen Monat sollte der Antrag auf Bildung und Teilhabe für Kinder gestellt werden: pro Kind 78 € für Mittagsverpflegung (26 € pro Monat) – auch ohne Nachweis, dass diese genutzt wurde – und 10 € pro Monat „Teilhabegutschein“ für die Monate Januar bis April.

Wer diesen Termin verpasst, verliert den rückwirkenden Anspruch.