Sanktionen abschaffen, online?

Noch ein paar Tage lang wird für ein Projekt Geld gesammelt, das „Sanktionsfrei“ heißt. Mit den gewünschten 75.000 Euro wird dann eine Website entwickelt, die (Muster-)Bewerbungen und Widersprüche ausspuckt. Es soll eine Rechtshilfe und Unterstützung bei den Verfahren und während der (potentiellen) Sanktionen geben. Werden es 150.000, geht alles einfach nur schneller. Idee dahinter: Aktuell legen ca. 5 Prozent der Betroffenen Widerspruch ein. Ein Insider genannter Informant sagte mal, dass die Jobcenter aufgeben müssten, wären es doppelt so viele, sagen die Initatorinnen.
Das kann sein.
„Die Würde des Menschen ist sanktionsfrei“, heißt der Slogan, unter dem das Projekt läuft, ein Verweis aufs Grundgesetz. Es ist schön, dass den alten Schinken ab und an noch wer rausholt, bisher dachten wir, der würde nur noch für Besinnungsrunden im Sozialkundeunterricht benutzt. Man kennt das ja, die Geschichten vom Eigentum, das verpflichtet, und den Angriffskriegen, die verboten sein sollen. Nicht, dass man darauf je viel hätte geben sollen, doch so ein Fitzelchen Wahrscheinlichkeit, dass beim Schreiben jemand etwas Menschenfreundliches wollte, wollen wir der Sache nicht absprechen.
Es sind bestimmt nette Leute, die auf diesem Weg versuchen, etwas Richtiges und Wichtiges zu tun. Wir fragen uns nur: Snd sind wir wirklich gegen Sanktionen wie sie? „Wir glauben, dass Menschen grundsätzlich einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen. Zu arbeiten bedeutet, Teil einer Gemeinschaft zu sein und dazu beizutragen, dass sie funktioniert.“ Das kommt von ihnen, nicht von uns. Wir fragen uns nämlich, ob die darin gemeinte Lohnarbeit wirklich ein wünschenswerter Beitrag ist. Vier willkürlich ausgewählte Gründe, warum Zweifel gerechtfertigt sind:
- Kraftfahrer für Kettenfahrzeuge
- Fallmanagerin im Jobcenter eurer Wahl
- Feldlagerbetriebsfeldwebel
- Kalorien-Coachess.

Und natürlich: Wir fragen uns, ob eine Tätigkeit für das Funktionieren dieser Gesellschaft so toll ist, weil die Gesellschaft Kettenfahrzeuge, „Fälle“ und Feldlager beinhaltet, und ob Menschen, die Sinnvolles tun, ausgerechnet arbeiten wollen, beinhaltet diese doch auch Fremdbestimmung, verlorene Zeit und nicht selten Gesundheitsrisiken.
Doch nicht nur da fragen wir uns. Spannend ist z.B., wie man mit dem Aufbau einer Website 75.000-150.000 Euro innerhalb von sieben Monaten verbraten kann, wenn schlussendlich nur Bewerbungsvordrucke und eine Stellenanzeigensammlung ausgespuckt werden sollen. Für das angekündigte Ziel, den Ausfallbetrag bei Sanktionen auszufüllen, reicht es wiederum nicht, da landen aber ohnehin nur die Überschüsse aus den Spenden. Weitere – bis jetzt unbeantwortete – gute kritische Fragen findet ihr auf gegen.hartz.de.

Da wir von Berufs wegen skeptisch sind, freuen wir uns erst einmal darüber, dass mit dem Geldsammeln nebenher eine Debatte angestoßen wird/ werden kann, geben unser Geld aber lieber für die üblichen Sachen aus (wenn vom Programmieren was übrig bleibt: Zigaretten für Geflüchtete und Bier für Menschen ohne Vertrag mit Leuten, die von Immobilien leben). Daher müsst ihr, bei Interesse, selbst auf die Suche gehen, wenn ihr spenden wollt.