Feministinnen sind hübsch und gut im Bett – ???

So hab‘ ich geguckt, denn das ist in etwa die nennenswerteste Erkenntnis, die ich aus der Veranstaltung „Stand up! Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ mitnahm. Eingeladen hatte das Referat für Gleichstellung des Sturas der Uni Jena (entschuldigt, wenn ich euch falsch betitele, ich hab’s mir über eure Internetadresse nur vage zusammenreimen können)1. Versprochen wurde zu erklären, wie Feminismus „das eigene Leben verbessern kann“, und dass „Feminismus für jede*n etwas ist.“

Ich sage es gleich vorweg: Ich ging als Fortgeschrittene hin, als Anfänger wollte ich mich nicht betiteln lassen. Im politischen Kontext bin ich da ein bisschen empfindlich. Dass das Sternchen, Alternative zum Gendergap (der Unterstrich in Worten, um zu zeigen, dass alle Menschen gemeint sind, auch die mit Geschlechteridentität abseits des männlich-weiblich-Dualismus), nur an der von mir zitierten Stelle auftauchte, ist richtig. Oder eigentlich nicht, er hätte nicht mal da hin gehört. Es ging um Männer und Frauen. Manchmal auch um andere Identitätsentwürfe, aber das waren im wahrsten Sinn des Wortes Randerscheinungen.
Die Veranstaltung war eine Vorstellung des Buches gleichen Titels, das die Autorin Julia Korbik auf Bitte des Verlages verfasste. Da war eigentlich schon klar, dass nichts Welt- oder gar Geschlechterbewegendes passieren würde. Es wäre auch die erste Auftragsarbeit, die irgendetwas Revolutionäres gesagt hätte. Nach der Auflösung der Frage, wie es zu diesem Buch kam, las Frau Korbik Teile des Kapitels vor, das sich mit Vorurteilen über Feministinnen beschäftigt. So seien sie häßlich, rasierten sich die Achselhaare nicht, verbreiteten schlechte Laune und hassten Männer. Nein, ich will mir an dieser Stelle nicht vorstellen, wie ein Buch der Autorin zum Antirassismus ausgesehen hätte.
Die einzelnen Vorurteile wurden vorgestellt und einer Korrektur unterzogen: Feministinnen sind schön, 80 Prozent der Emma-Leserinnen leben in einer Hetero-Beziehung und niemand redet so viel über Sex wie sie, also können sie ihn ja auch nicht ablehnen, müssten gar Expertinnen sein. Zu viele Informationen, ganz eindeutig.
Es folgte das Kapitel für Männer. Um die Autorin an dieser Stelle sinngemäß zu zitieren: Es sind ja auch ein paar Männer da, da kann ich das schon mal vorlesen.
Klar. Ich schätzte auf ein Viertel der Anwesenden, aber wenn überhaupt ein Mann da ist, kriegt er die volle Aufmerksamkeit. Die anderen Menschen haben halt mal still zu sein und zuzuhören. Tat ich. Leider. So wurde ich darüber informiert, dass Menschen in Partnerschaften dann am zufriedensten seien, wenn sie die Hausarbeit etwa zu gleichen Teilen erledigen. Es ging wieder um Hetero-(romantischen-)Zweierbeziehungskram, logisch. Und wenn Beziehungen als angenehm beschrieben werden, muss es ja auch mit dem Sex klappen.
Ja. Nu‘… Nee, eigentlich nicht. Mensch kann dutzende Beziehungen haben, und Sex ist auch nicht so was wie Atmen oder Essen, nicht lebensnotwendig, und es gibt Menschen, die darauf einfach keinen Wert legen. Aber halt, wir sind ja im Kapitel, das Männern erklärt, warum Feminismus toll ist. Und was Männern wichtig ist, ist ja allgemein bekannt. Sex sells.

Halt! Wo hatte ich mich da rein gesetzt? In eine Veranstaltung, wo ein Ex-Soldat erzählen kann, dass er mal was Positives zu Feminismus in Facebook schrieb und böse Zuschriften erhielt. Wo er, zufrieden in die Runde schauend, verkünden kann, dass der Feminismus jetzt viel besser ist, ihn nicht so ausschließt und überhaupt, damals, am Anfang, da war der viel zu radikal. Wo besagter Ex-Soldat aus seiner Dienstzeit erzählen kann, wo die Menschen gleichen Dienstgrades gleich bezahlt werden2. Wo eine Frau sagt, dass diese ganzen Mädchendinge, Glitter, Ringe und Make-up doch toll und wichtig sind. Für Frauen.

Spannender wurde es nicht, aber viel merkwürdiger auch nicht. Mir reichte das für’s Erste. Ich hab‘ keine Ahnung, ob das Feminismus ist. Marxismus gibt’s ja auch in vielen Spielarten, das Christentum, Neoliberalismus u.s.w. Jedenfalls hab‘ ich erst mal genug davon und bleibe bei meinem Emanzenkram. Genau, das böse Wort, das für Latzhosen (die cool sind, wenn man bastelt und schraubt), Schwarz statt Pink und Auto, Fahrrad, Computer selbst bauen steht. Für lange Kleider und Hosen. Und dafür – hoffentlich – nicht von Soldaten gut gefunden zu werden.

Es sei euch aber ganz dringend geraten, nach Buch und Autorin mal im Netz zu startpagen. Das Buch ist ganz toller Feminismus und die Autorin fand es schon als Kind doof, gesagt zu bekommen, sie mache Liegestütze wie ein Junge. Kulturpessimismus ist eine langsam aussterbende Qualifikation.

  1. Unterstützt von: einem Projekt mit schwarz-got-gold und Bundesadler, von dem ich aufgrund der 2dpi-Druckgröße den Namen nicht entziffern kann. Es wirbt mit „Demokratie leben!“ Außerdem mit im Boot: die Heinrich-Böll-(sic!)Stiftung Thüringen e.V., die Landeszentrale für politische Bildung und die Gleichstellungsstelle Jena. [zurück]
  2. Im geschilderten Beispiel handelte es sich um einen Oberfeldwebel, der die Ausbildung leitete und zuvor in einer Spezialeinheit arbeitete, und seine Kollegin? Kameradin? gleichen Ranges, die in allen Disziplinen besser war als er. Was doch mal wieder die Frage aufwirft, ob Spezialeinheiten so was sind wie Woodstock, wo auch alle nachträglich dabei gewesen sein wollen. Aber vielleicht ist auch die Kochtruppe eine Spezialeinheit, immerhin ist sie spezialisiert. [zurück]