Bezahlt wird nicht!

Komödie von Dario Fo, Bühnen der Stadt Gera

Antonia zahlt seit Monaten die Miete nicht. Seit einem Jahr ist sie arbeitslos, das Geld ihres Mannes Giovanni reicht gerade so, die beiden durchzufüttern. Während er dem Recht vertraut und sich bei Ärger in den Schrank der kleinen Wohnung zurückzieht, um das DGB-Programm zu lesen, hält Antonia vielen Unbill von ihm ab: die ausstehenden Miet- und Stromzahlungen, die steigenden Preise, die am Ende des Monats nicht einmal ausreichend Geld für den Einkauf übrig lassen.
Antonia liest von Sonderangeboten. Doch als sie bei Netto eintrifft, ist dort ein Tumult. Hunderte Frauen streiten sich mit dem Filialleiter, der die Preise angehoben hat: Weisung von oben. Doch die Frauen lassen sich das nicht gefallen. Sie beschließen gemeinsam, nur noch die Preise vom letzten Jahr zu zahlen. Immerhin könnte der Fillialleiter froh sein, dass sie überhaupt bezahlen. Und so ziehen sie, ungestört, mit ihren „Einkäufen“ ab.
Antonia bringt sie nach Hause, ihre Freundin Margherita hilft ihr dabei, sie teilen die Waren auf. Doch beide fürchten, ihre Männer könnten es bemerken, die doch regelmäßig und brav zur Arbeit gehen. Sie verstecken die Waren, doch da rückt die Polizei an…
Im Verlaufe des Stückes erfährt man nicht nur die Geschichte aus Dario Fos Komödie, sondern auch etwas über Pferdefleisch in Lebensmitteln, über die Tarifverträge an den Bühnen der Stadt Gera, die mit dem Landestheater Altenburg fusionierten und das Essemble die Fahrten zwischen den Spielorten selbst zahlen lassen will. Das ist mutig und geht über das klassische Theater weit hinaus. Die Darsteller/-innen zeigen nicht nur ein Stück, sie machen sich selbst und ihr Leben zum Thema. Damit nehmen sie Fos „Theater der großen Provokation“ ernst. Die Anspielungen sind leicht verständlich, den aktuellen Diskussionen entnommen.
Das Stück verweist auf den Alltag, aus dem heraus Widerstand möglich ist und manchmal auch einfach geschieht, wenn eben dieser Alltag unerträglich wird. Doch das Stück dürfte wohl kaum jenen bekannt werden, die tatsächlich am Ende des Monats überlegen müssen, was sie auf den Tisch stellen. Der Ticketpreis von 15,- Euro dürfte dafür ein ausreichendes Argument sein. Ein großer Teil des im Regelsatz vorgesehenen „Kultur“-Beitrages von 39,96 Euro geht bei den meisten Betroffenen wohl schon seit langem für steigende Lebensmittelpreise drauf.

Wer es dennoch einmal versuchen will, sollte sich etwas Geld zurücklegen. Die nächsten Aufführungen sind am 7. und 8. April in Gera.