Jena tut’s nicht

Flensburg tut es, Freiburg auch. Die Kommunen übernehmen auf Antrag die Kosten für Hormonpräperate, umgangssprachlich Pille genannt, für Alg II-Betroffene zu Verhütungszwecken. Die Kassen übernehmen die Kosten bekanntlich nur bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, danach muss man diese aus eigener Tasche bestreiten.
Berlin geht sogar noch einen Schritt weiter. Dort hat man erkannt, dass auch Männer ihren Beitrag zur Schwangerschaftsverhütung beitragen können, übernimmt auch Kosten für Kondome und tut damit auch etwas zur Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten.
Makaber an der Sache ist der Rest der Republik: Dort müssen Frauen wie Männer im Alg II-Bezug die Kosten selbständig tragen und reduzieren damit den Betrag, der ihnen ansonsten im Monat zum Leben zur Verfügung steht, um 10 Euro bis Hungern, wenn man sich die Palette an sinnvollen Verhütungsmethoden mal genauer ansieht.
Für einen eventuellen Schwangerschaftsabbruch hingegen kommen über Umwegen die Länder auf, denn die Kosten trägt zwar die Krankenkasse, kann sich den Betrag nach aktueller Gesetzeslage jedoch aus dem Landeshaushalt wiederholen. Die Rechnung ist denkbar einfach: Um Kosten des Bundes (Alg II) zu sparen, gibt es keinen Leistungsanspruch auf Verhütungsmittel, den Lastenausgleich für die Krankenkassen zahlen die Länder.
Recht unbeachtet von Haushaltsfragen drängen diese Regelungen Frauen in die Kriminalität oder Unmündigkeit und nehmen gesundheitliche Folgen für sie zumindest billigend in Kauf.
Die Frauen, die sich noch an eine gänzlich kostenfreie hormonelle Schwangerschaftsverhütung und völlig legale Schwangerschaftsabbrüche erinnern können, dürften davon aus physiologischen Gründen wohl bald nicht mehr betroffen sein.

Zuletzt: Natürlich, die antragsweise Kostenübernahme ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Wer will schon dem schmierigen Sachbearbeiter solch einen Antrag über den Tisch schieben, wenn der vor einem Monat erst von Bedarfsgemeinschaft gefaselt hat, weil man in einer WG lebt. Oder so. Aber es ist zumindest eine Maßnahme zur Vorsorge, deren Möglichkeit man zumindest haben sollte, solange ansonsten keine ernsthaften Verbesserungen in Sicht sind.